Noch nicht einmal am Boden, überraschte uns Fidschi bereits das erste Mal. Es war 19 Uhr und stockdunkel. Mit überschreiten der Datumsgrenze traten wir auch in die südliche Hemisphäre ein. Es ist Winter. Auf Fidschi bedeutet das zum Glück angenehme 29 Grad. Als letzte Gepäckstücke rollen unsere unförmigen und mittlerweile 3 Kilo schwereren Rucksacktaschen über das Gepäckband, für die wir uns bei Stefan und Jule herzlichst bedanken müssen! Diese Taschen sichern das Weiterreisen der Rucksäcke und all unserer Mitbringsel und wir freuen uns bei jedem Flug über sie!
Nachdem der Taxifahrer sich 3x bei seinen Kollegen nach dem Weg zum Vatia Beach Resort erkundigt hat, geht die wilde Fahrt los. Für mich die erste Fahrt im Linksverkehr. Ein paar Mal zucke ich zusammen, als auf unserer rechten Seite haarscharf ein LKW im Gegenverkehr vorbei brettert. Nach 1 Stunde verlassen wir den Asphalt und biegen in einen Trampelpfad ein, der aus mehr Löcher und Steine, als aus Straße besteht und erreichen nach einer weiteren halben Stunde unsere Unterkunft für die nächsten 5 Tage. Weit ab von der nächsten Straße, Haltestelle, Supermarkt oder ATM. Clever wie wir sind, haben wir natürlich gerade so viel Geld abgehoben, dass es für die Taxifahrt reicht. Etwas ratlos, wie wir hier je wieder wegkommen sollen, ziehen wir unsere Rucksäcke aus dem Taxi.
Wir werden herzlichst willkommen geheißen und im gleichen Atemzug erfahren wir die Zusatzkosten für sämtliche Aktivitäten, wie Volleyball, Tischtennis, Internet usw. Eine günstige Unterkunft bedeutet wohl gleichermaßen viele Zusatzkosten. Erschöpft nehmen wir den Schlüssel für unsere kleine rosa Hütte entgegen und begrüßen den ersten tierischen Mitbewohner. Eine riesige Spinne, die ich zuerst gar nicht für eine Spinne gehalten habe, bis sie sich ihren Weg hinter unser Bett bahnt. Das eigentlich schützende Moskitonetz über dem Bett reicht gerade um unsere beiden Körper und ich bereite mich seelisch darauf vor beim Aufwachen eine dieser Riesenspinnen auf meiner Decke sitzen zu haben. Wildentschlossen, diesen Ort am nächsten Tag zu verlassen, versuchen wir zu schlafen.
2 Tage später sitze ich jetzt am Strand von selbigem Resort und schreibe euch. Wir sind geblieben. Denn wie so oft in den letzten Wochen, sind es die Leute, die diesen Ort zu etwas Besonderem und Schönem machen. Nach einem köstlichen Pancake Frühstück fahren wir mit Ana, der spanisch/australischen Mitarbeiterin in den nächsten Ort, Ba, und erfahren von dem verheerenden Wirbelsturm im Februar und dem anschließenden sinnflutartigem Regen. Und plötzlich begreift man, warum Einwohner in Zelten neben ihren zerstörten Häusern leben, warum in Vatia Beach Bäume umgestürzt im Garten liegen und sieht vieles mit anderen Augen.
Mit anderen Augen werden auch wir Zwei beäugt, als wir in Ba endlich an Bargeld kommen und uns auf dem Markt nach Melone und Ananas umsehen. Wie zwei Außerirdische laufen wir zwei Blondies in Shorts und T-Shirt zwischen den Ständen herum und sind froh, diesen befremdlichen Blicken im Bus zurück ein bisschen entfliehen zu können. Der Bus fährt erst in über einer Stunde ab? Kein Problem, wir haben Zeit. Der Ausflug soll der Einzige in der kurzen Zeit auf Fidschi bleiben.
So vergeht hier die Zeit mit Lesen, Schlafen, Volleyball und Cava trinken. Wer bei Cava, wie ich, an den leckeren spanischen Perlwein denkt, irrt. Kava ist ein „Getränk“ aus Fidschi. Sieht aus wie Miso Suppe und hinterlässt ein taubes Gefühl auf der Zunge und nach vielen Gläsern einen Zustand, den man betrunken nennen kann. Dementsprechend lustig ist der Abend, Mitarbeiter aus Fidschi, Volontärs aus Schottland und Gäste aus Neuseeland, USA und Deutschland (wir) sitzen zusammen, lachen, tanzen, singen. Man ist mittendrin im Backpacker / Langzeiturlauber Dasein. Das erste Mal, dass uns keiner ungläubig ansieht, wenn wir von unserer Reise erzählen, da alle einen ähnlichen Weg einschlagen oder bereits schon viel länger unterwegs sind.
Wir sind sehr dankbar für den Einblick in diese kleine eigene Welt, Vatia Beach, in der die Zeit viel langsamer vergeht, in der einem fremde Leute ein Bier in die Hand drücken und sich freuen, ein paar Worte mit dir zu wechseln und in der alle mit wenig auskommen und einfach zufrieden sind.
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