Wie viele von euch bereits wissen, ist Wellington die
Hauptstadt von Neuseeland und trägt diesen Namen zu Recht. Auch, wenn sie viel
kleiner als Auckland ist, strahlt sie wie eine kleine Metropole, die nichts
missen lässt. Es gibt viele Theater, Kinos (darunter ein sehr bekanntes),
wunderschöne Parks und Cafés und unzählige Restaurants und Kneipen. Es soll
eine Zeit gegeben haben, da hatte Wellington mehr Restaurants als New York.
Wenn ich es nicht besser wüsste, dann
stimmt das immer noch. Natürlich haben auch andere Städte die gleichen
Angebote, sind von der Lage aber nicht so gesegnet. Wellington liegt umgeben
von Bergen und grünen Wäldern am Ende einer großen Bucht. Die Ortsteile
erstrecken sich über Berge, Buchten und Täler, die die Stadt noch kleiner
aussehen lässt, weil alles versteckt ist und erst hinter der nächsten Kurve
oder den nächsten Berg erscheint. Solche Städte sind einfach toll und machen
Spaß. Wir haben uns vier Tage Zeit genommen um sie zu erkunden.
Die Cuba Street stand bei uns Beiden als erstes auf dem
Plan, denn es war Samstag und somit sind wir auf die Simon-Dach-Straße
Wellingtons und haben nach einer Pizzeria Ausschau gehalten. Es war schön
wieder in einer pulsierenden Stadt unterwegs zu sein und dieses Gefühl haben
wir sehr genossen. Zum ersten Mal haben wir so etwas wie Heimweh gespürt. Sich
zu Hause schick zu machen, mit Freunden unterwegs zu sein und sich treiben und
überraschen zu lassen, was der Abend noch bringt. Ihr fehlt uns! Ein großer
Wunsch von mir war der Besuch des Embassy Theaters, dem Premierenkino vom
Hobbit und den Herr der Ringe Filmen. Ein wirklich schönes, modernes Kino mit
eigenem Café und netter Bar. Wir haben uns mit salzigen Popcorn (hier gibt es
noch kein KnallePopcon) den neuen Bourne Film, mit Matt Damon angeschaut und
waren als Berliner schockiert, dass Hollywood den Kollwitzplatz kurzerhand nach
Kreuzberg verlegt hat.
Vom Mount Victoria Park, einem grünen, waldigen und bei
Sportlern sehr beliebten Berg, ging es nach schönem Ausblick über die Stadt und
Bucht, 400m den Berg hinunter Richtung Innenstadt. Mit der Cable Bahn fuhren
wir zum botanischen Garten und weiter zum bekannten Parlament. Entlang der
schicken Uferpromenade liefen wir zur sehenswerten Touristeninformation, die
mit riesigem Kartenmaterial und toll ausgestatteten Tafeln und netten
Angestellten das Reisen sehr erleichtert. Dort sicherten wir uns einen Platz für
die Überfahrt zur Südinsel und erleichterten unseren Geldbeutel um eine
beträchtliche Summe.
Um etwas weiter auszuholen befinden wir uns, wir ihr alle
wisst nicht nur in Neuseeland und am entferntesten Punkt, den es von
Deutschland aus geben kann, sondern auch am Drehort vieler toller Filme. King
Kong, Herr der Ringe, der Hobbit, Avatar, Tim und Struppi, die Serien Hercules und Xena waren einige davon
und oft spielt die unglaubliche Landschaft eine große Rolle. Somit fuhren wir
kurz vor Wellington vom SH2 ab und besuchten einen schönen Park und das dort
ansässige „Bruchtal“. Wegweiser und Hinweisschilder weisen darauf hin, dass in
diesem Park von vielen Handwerkern und Künstlern Häuser, Wege, Brücken und
schöne Terrassen extra für die Herr der Ringe Filme geschaffen und danach
wieder abgebaut wurden. Nur die Bäume, die bereits dort waren, lassen erahnen,
wo einst Häuser und Schauspieler während des Drehs standen.
Wen es als Herr der Ringe Fan nach Neuseeland verschlägt,
der kommt in und um Wellington auf seine Kosten. Einiges wurde in den Parks
gedreht oder in den Weta Work Studios. Diesen Studios verdanken wir die bereits oben
genannten Filme und die Kostüme der Marvel Helden, wie Thor oder Captain
America. Somit haben wir es uns nicht nehmen lassen, eine geführte Tour durch
die Studios zu buchen und uns vorher im Verkaufsshop, einer kleinen Höhle
vollgestopft mit Requisiten und Ausstellungsstücken und jeder Menge Filmartikel
zum Kauf, die Zeit zu vertreiben.
Uns wurde es natürlich nicht gestattet während der Führung
Fotos zu machen, da alle Ausstellungsstücke noch immer den Filmgesellschafften
gehören und nur die künstlerische Arbeit und die Entwürfe dem Weta-Film-Studio.
So geleitete uns Marc, ausgestattet mit dem Schwert aus The Last Samurai, auch
in Neuseeland gedreht, weil der Mount Taranaki hohe Ähnlichkeit mit dem in
Japan stehenden Berg Fukushima hat, durch das Studio. Mit solchen und anderen lustigen
Geschichten über Schauspieler, deren Namen er noch nicht verraten darf, führte
er uns kurz in die sehr interessante Arbeit der Filmbranche ein. Staunend über
die vielen Requisiten aus bekannten Filmen, durften wir sogar einige selbst in
die Hand nehmen und erfahren, wie diese hergestellt und realistisch angemalt
wurden. Wer hätte gedacht, dass Sauron zum Teil aus Plastik und Kunstschaum
bestand. Zu meinem Glück kreuzte zufällig der Chef der Filmstudios, Richard
Taylor, unseren Weg und grüßte uns herzlich. Nach einen Gespräch mit den dort
arbeitenden Künstlern und weiteren absurden Geschichten über reiche Russen und
ihre Wünsche, war dieser Besuch ein weiteres Highlight unserer Reise.
Die Filmstudios befinden sich auf einer Halbinsel im
Südwesten Wellingtons und somit haben wir es uns nicht nehmen lassen die vielen
Buchten und schroffen Felsformationen in der Nähe anzusehen und eine Nacht
außerhalb der Stadt zu verbringen. Ohne einen Besuch im weltberühmten Museum
„Te Papa“ durften wir Wellington natürlich nicht verlassen. In Zusammenarbeit
mit den Weta-Film-Studios und dessen Profis wurde an die Geschichte der
Neuseeländer im Ersten Weltkrieg und der langen Schlacht um die umkämpfte
Halbinsel Gallipoli erinnert. Eine so fesselnde, beeindruckende und nahe gehende
Ausstellung haben wir noch nicht gesehen.
Jetzt hieß es Abschied nehmen und bevor es auf die Fähre ging,
füllten wir unsere leere Gasflasche wieder auf und vielleicht ist es schieres
Glück oder einfach nur eine Gabe von mir, dass wir von einem Gebäck- und
Süßigkeitenvertreter eine XXL Packung „Tripple Chocolate Cookies“ geschenkte
bekommen haben. Denn kurz vorher, den Herrn beobachtend, meinte ich noch zu
Tina, dass er ruhig mal etwas springen lassen könnte. Und bevor wir ausgelacht
hatten, kam der nette Mann zu uns und meinte „ Try some deliciouse New Zealand
cookies!“, und warf uns die Packung ins Auto. Lachend stiegen wir in unseren
Camper und verließen die Nordinsel.






Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen