Freitag, 26. August 2016

Wellington

Wie viele von euch bereits wissen, ist Wellington die Hauptstadt von Neuseeland und trägt diesen Namen zu Recht. Auch, wenn sie viel kleiner als Auckland ist, strahlt sie wie eine kleine Metropole, die nichts missen lässt. Es gibt viele Theater, Kinos (darunter ein sehr bekanntes), wunderschöne Parks und Cafés und unzählige Restaurants und Kneipen. Es soll eine Zeit gegeben haben, da hatte Wellington mehr Restaurants als New York. Wenn ich es nicht  besser wüsste, dann stimmt das immer noch. Natürlich haben auch andere Städte die gleichen Angebote, sind von der Lage aber nicht so gesegnet. Wellington liegt umgeben von Bergen und grünen Wäldern am Ende einer großen Bucht. Die Ortsteile erstrecken sich über Berge, Buchten und Täler, die die Stadt noch kleiner aussehen lässt, weil alles versteckt ist und erst hinter der nächsten Kurve oder den nächsten Berg erscheint. Solche Städte sind einfach toll und machen Spaß. Wir haben uns vier Tage Zeit genommen um sie zu erkunden.

Die Cuba Street stand bei uns Beiden als erstes auf dem Plan, denn es war Samstag und somit sind wir auf die Simon-Dach-Straße Wellingtons und haben nach einer Pizzeria Ausschau gehalten. Es war schön wieder in einer pulsierenden Stadt unterwegs zu sein und dieses Gefühl haben wir sehr genossen. Zum ersten Mal haben wir so etwas wie Heimweh gespürt. Sich zu Hause schick zu machen, mit Freunden unterwegs zu sein und sich treiben und überraschen zu lassen, was der Abend noch bringt. Ihr fehlt uns! Ein großer Wunsch von mir war der Besuch des Embassy Theaters, dem Premierenkino vom Hobbit und den Herr der Ringe Filmen. Ein wirklich schönes, modernes Kino mit eigenem Café und netter Bar. Wir haben uns mit salzigen Popcorn (hier gibt es noch kein KnallePopcon) den neuen Bourne Film, mit Matt Damon angeschaut und waren als Berliner schockiert, dass Hollywood den Kollwitzplatz kurzerhand nach Kreuzberg verlegt hat.



Vom Mount Victoria Park, einem grünen, waldigen und bei Sportlern sehr beliebten Berg, ging es nach schönem Ausblick über die Stadt und Bucht, 400m den Berg hinunter Richtung Innenstadt. Mit der Cable Bahn fuhren wir zum botanischen Garten und weiter zum bekannten Parlament. Entlang der schicken Uferpromenade liefen wir zur sehenswerten Touristeninformation, die mit riesigem Kartenmaterial und toll ausgestatteten Tafeln und netten Angestellten das Reisen sehr erleichtert. Dort sicherten wir uns einen Platz für die Überfahrt zur Südinsel und erleichterten unseren Geldbeutel um eine beträchtliche Summe.



Um etwas weiter auszuholen befinden wir uns, wir ihr alle wisst nicht nur in Neuseeland und am entferntesten Punkt, den es von Deutschland aus geben kann, sondern auch am Drehort vieler toller Filme. King Kong, Herr der Ringe, der Hobbit, Avatar, Tim und Struppi, die  Serien Hercules und Xena waren einige davon und oft spielt die unglaubliche Landschaft eine große Rolle. Somit fuhren wir kurz vor Wellington vom SH2 ab und besuchten einen schönen Park und das dort ansässige „Bruchtal“. Wegweiser und Hinweisschilder weisen darauf hin, dass in diesem Park von vielen Handwerkern und Künstlern Häuser, Wege, Brücken und schöne Terrassen extra für die Herr der Ringe Filme geschaffen und danach wieder abgebaut wurden. Nur die Bäume, die bereits dort waren, lassen erahnen, wo einst Häuser und Schauspieler während des Drehs standen.



Wen es als Herr der Ringe Fan nach Neuseeland verschlägt, der kommt in und um Wellington auf seine Kosten. Einiges wurde in den Parks gedreht oder in den Weta Work Studios. Diesen Studios verdanken wir die bereits oben genannten Filme und die Kostüme der Marvel Helden, wie Thor oder Captain America. Somit haben wir es uns nicht nehmen lassen, eine geführte Tour durch die Studios zu buchen und uns vorher im Verkaufsshop, einer kleinen Höhle vollgestopft mit Requisiten und Ausstellungsstücken und jeder Menge Filmartikel zum Kauf, die Zeit zu vertreiben. 
Uns wurde es natürlich nicht gestattet während der Führung Fotos zu machen, da alle Ausstellungsstücke noch immer den Filmgesellschafften gehören und nur die künstlerische Arbeit und die Entwürfe dem Weta-Film-Studio. So geleitete uns Marc, ausgestattet mit dem Schwert aus The Last Samurai, auch in Neuseeland gedreht, weil der Mount Taranaki hohe Ähnlichkeit mit dem in Japan stehenden Berg Fukushima hat, durch das Studio. Mit solchen und anderen lustigen Geschichten über Schauspieler, deren Namen er noch nicht verraten darf, führte er uns kurz in die sehr interessante Arbeit der Filmbranche ein. Staunend über die vielen Requisiten aus bekannten Filmen, durften wir sogar einige selbst in die Hand nehmen und erfahren, wie diese hergestellt und realistisch angemalt wurden. Wer hätte gedacht, dass Sauron zum Teil aus Plastik und Kunstschaum bestand. Zu meinem Glück kreuzte zufällig der Chef der Filmstudios, Richard Taylor, unseren Weg und grüßte uns herzlich. Nach einen Gespräch mit den dort arbeitenden Künstlern und weiteren absurden Geschichten über reiche Russen und ihre Wünsche, war dieser Besuch ein weiteres Highlight unserer Reise. 



Die Filmstudios befinden sich auf einer Halbinsel im Südwesten Wellingtons und somit haben wir es uns nicht nehmen lassen die vielen Buchten und schroffen Felsformationen in der Nähe anzusehen und eine Nacht außerhalb der Stadt zu verbringen. Ohne einen Besuch im weltberühmten Museum „Te Papa“ durften wir Wellington natürlich nicht verlassen. In Zusammenarbeit mit den Weta-Film-Studios und dessen Profis wurde an die Geschichte der Neuseeländer im Ersten Weltkrieg und der langen Schlacht um die umkämpfte Halbinsel Gallipoli erinnert. Eine so fesselnde, beeindruckende und nahe gehende Ausstellung haben wir noch nicht gesehen.



Jetzt hieß es Abschied nehmen und bevor es auf die Fähre ging, füllten wir unsere leere Gasflasche wieder auf und vielleicht ist es schieres Glück oder einfach nur eine Gabe von mir, dass wir von einem Gebäck- und Süßigkeitenvertreter eine XXL Packung „Tripple Chocolate Cookies“ geschenkte bekommen haben. Denn kurz vorher, den Herrn beobachtend, meinte ich noch zu Tina, dass er ruhig mal etwas springen lassen könnte. Und bevor wir ausgelacht hatten, kam der nette Mann zu uns und meinte „ Try some deliciouse New Zealand cookies!“, und warf uns die Packung ins Auto. Lachend stiegen wir in unseren Camper und verließen die Nordinsel.





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